Probebohrung 1. Die Frisurenlandschaft junger Japaner

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Osaka, Sommer 2005. Ein denkwürdiges Jahr, ein denkwürdiger Sommer. 2005 bekam ich zum zweiten Male die Möglichkeit, zu Forschungszwecken das Land der aufgehenden Sonne zu besuchen. Hierfür danke ich besonders meinen Sponsoren, die mir meine Forschungsreise ermöglichten. Im folgenden lesen sie einen Bericht, der einen kleinen Einblick in die ungewöhnlich und befremdlich wirkenden Frisuren junger Japaner geben könnte. Natürlich beschreibe ich hier nicht die volle Bandbreite japanischer Frisurtypen ( nur eine Handvoll Modefrisuren), jedoch sind die von mir aufgeführten Haarkunstwerke auf einer erschreckend großen Anzahl japanischer Köpfe zu finden.

Nachdem ich und meine Kollegen in Osaka ankamen habe ich viele interessante Sachen beobachtet. Mein Hotel war in Namba, ein Stadtteil, in dem die Jugend, der gemeine Yakuza und alte Geschäftsmänner, jene die sich Mittelschülerinnen zu ihrer Errettung nehmen, ( die sog. Enjo kousai jap. für Rettungsbeziehung. Im Klartext bedeutet das die Befriedigung gewisser Bedürfnisse alter Männer durch junge, minderjährige Mädchen auf sexueller Ebene. Aber darüber schreibe ich in einem anderen Artikel mehr) treffen.
In diesem besagten Namba fand ich einen interessanten Ort, der mich besonders beeindruckt hat. Die, so meine ich, Haupteinkaufsstrasse von Namba. Sie ist einige viele Kilometer lang und meist komplett Überdacht. Hier findet man alles was das Herz begehrt: Spielhallen, Restaurants, Musikgeschäfte, Theater, Kinos, Friseurläden, Geschäfte jeglicher Art und drogenabhängige Frauen, die ihren Körper für ein bisschen Geld verkaufen wollen. Diese , wirklich eindrucksvolle Straße, führt über eine Brücke, die von den
Ausländern liebevoll, Pick-up Brige, genannt wir. Man sagt, dass jedes
Mädchen, das über diese Brücke geht und alleine ist, angesprochen werden
will. Dort hielt ich mich einen Abend lang auf. Der Ort meiner Haarforschung.

Haartypen die am markantesten und präsentesten bei „modebewussten“ Japaneren zu finden waren, sind mitunter: der „Schaf Typ“, der „explodierte Haarspraydosen Typ“, der „Man in Black Typ“ und die nicht kleine Gruppe der „Gackts“. Diese unterschiedlichen Frisuren können noch in Kombination mit verschieden Attributen auftreten wie: Der „Alien Typ“, der „Zahnfeen Typ“ und der „ wer zum Geier hat dich so angemalt ? –Typ“ . Ich vermute auf diese Begriffe sollte ich nun näher eingehen.

Betrachten wir uns zunächst den Typus Frau.

Der „Schaf Typ“ ist nur bei der weiblichen Spezies zu finden. Nennen wir diesen Typ fortan einfach „ein Schaf“. Was genau müssen wir uns also unter einem Schaf vorstellen? Kurz, Sie ist eine Frau mit einer extrem komischen Frisur. Die Haare sind, durch mir nicht bekannte Mittel, zu einem Volumen aufgeblasen, das so in etwa das 3 Fache eines normalen Frauen Kopfes darstellt. Hochtoupiert in verschiedenen Varianten, erkannt man sie schon weiten. Meine Kollegen und ich waren uns einig, eine äußerst alberne Frisur. Um sich nun des vollen Erscheinungsbildes eines Schafes bewusst werden zu können, beziehen wir doch nun einmal zusätzlich ein Paar der oben genannten Attribute mit ein. Hierfür erkläre ich zunächst die Attributestypen, Alien und Zahnfee.

Unter einem Alien hat man sich eine Japanerin mit zu hohen Stöckelschuhen vorzustellen. Stellen sie sich, meine lieben Leser, jetzt bitte eine solche junge japanische Frau vor. Sie leidet unbewusst unter dem Zwang des westlichen Schönheitsideal, und das beinhaltet nun einmal lange Beine. Da Beinverlängerungen äußerst kostspielig und zudem scherzhaft sind greifen sie, berechtigter Weise, zu den Pfennigtretern. Um das Problem hierbei auf den Punkt zu bringen – sie können damit überhaupt nicht laufen. Man stelle sich folgendes Bild vor, ein Außerirdischer, der gerade zu Besuch auf der Erde ist und von Freunden zu einem exzessiven Drogenmissbrauchsabend eingeladen wurde, wankelt und stolpert auf dem Weg zu seinem Raumschiff durch die Straßen. In diesem Wankel-, und Stolperschritt, werden die Beine nie ganz durchgestreckt, der Oberkörper wird stark zurückgelehnt und die Arme versuchen verzweifelt Eleganz vorzutäuschen. Ein wirklich schräger Anblick.

Zahnfeen sind ein Produkt des japanischen Sozialsystems. Dieses versagt
offensichtlich Zahnbehandlungen und kieferorthopädische Eingriffe jeglicher Art. Unabhängig was sie von meiner Übertreibung halten mögen, gibt es in Japan in der Tat eine große Anzahl Frauen und Männer mit Zähnen die selbst den abgehärtesten Zahnarzt zur Behandlung traumatischer Erlebnisse auf das Sofa des Psychologen schicken. Die Mundhöhle einer Zahnfee ist oft geprägt von der unsymmetrischen Anordnung der Zähne sowie deren Farbenpracht ( Farbton – Flowerpower & gegenwärtige chinesische Flussfarbe ).

Ein Schaf also, um wieder den Bogen zurück zu den Kombinationsmöglichkeiten zu finden, kann also auch eine Zahnfee, oder ein Alien sein. Auch eine Addition beider Attribute ist möglich, in diesem Fall sprechen wir also von einem außerirdischem Zahnfeenschaf. Diese Erscheinungen sind jedoch äußerst gruslig, und sollten vermieden werden.

Jetzt zu den Männern. Die Gackts. Gackt ist in Japan momentan – der Superstar, der japanische Justin
Timberlacke. Aber eben ganz anderes. Japanisch eben. Er ist sehr seeeehr feminin,
ultra gutaussehend, ich meine, Perfekt bzw. Clean, und hat eben die für ihn so typische Gackt Frisur. Ergo, viele jugendliche sind mit der selben Frisur auf der Straße zu finden. Die Frisur selbst ist schwer zu beschreiben, mittellanges Haar, glatt, … die Frisur des Mannes auf meinem Bild, Kitagawa no Ame, trifft es vielleicht ganz gut. Der Vergleich ist nicht Perfekt, wer sich aber nichts darunter vorstellen kann, schaue sich das Bild an. Jugendliche die die Frisuren ihrer Idole tragen, gibt es hier im Westen sicherlich auch. Jedoch greift hier die japanische Angewohnheit ein, alles was man macht, 100% und bis zur Perfektion zu tun. Dies gilt auch hinsichtlich dem Aussehen der Haare. Der Haarstyle zusammen mit der dazu gehörigen Kleidung, darauf scheinen sich mancher dieser jungen Leute zu reduzieren. Auffällig war die große Anzahl der, gegenüber allem was ich im westen so gesehen habe, für mich 100% identisch aussehnender Teens und Twens. Auf alle Fälle kann man die japanischen Modekategorien nicht mit , Skateboardfahrer, Hiphoper, Raver, Punk etc. gleichsetzen.
Die explodierten Haarspraydosen. Diese Spezies finde ich persönlich ja fast am
lustigsten. Diesen Namen hab ich aus folgendem Grund gewählt. Bei der Überlegung wie eine solche Frisur zustande kommen könnte, kam ich auf folgende Lösung. Stellen sie sich bitte einmal ein Mann mit längeren, vielleicht schulterlangen Haaren vor. Er steht auf einem schönen grünen Berg und sieht in den blauen Himmel. Dann geht alles ganz schnell (also bitte aufpassen). Es geht urplötzlich ein ganz starker Luftstoß, erzeugt vom japanischem Gott der Haarkunst, und eine handelsübliche Haarspraydose, die auf dem Weg nach Süden da
so gerade dahergefolgen kommt, explodiert aus wundersamen Gründen 15 cm vor dem
Gesicht dieses jungen Mannes. Ich vermute, dass durch einen göttlichen Wind und die Wucht einer solchen Explosion in etwa diese Optik der Frisur zustande kommen könnte. Nebenbei wird durch die Hitze der Explosion das Haar deutlich aufgehellt, was so in etwa einer einmaligen Behandlung schwarzer Haar mit einem Haarbleichemittel gleichkommt. Jeder der sich nur ein bisschen mit dem Thema Haarbleichen auskennt weiß, dass dunkle Haare nach einmaligen bleichen nicht blond sondern orange sind – was komisch aussieht.
Mann müsste also lediglich diesen grünen Berg finden, an dem dieses einzigartige Naturereignis stattfindet. Dann könnte man diesem, sicherlich einzigartigen, Naturphänomen teilnehmen. Wenn meine Theorie sich nicht bewahrheiten sollte würde das bedeuten, dass der Träger einer solchen Frisur täglich min. 1 Stunde im Bad verbringen müsste.
Und nun, die letzte männliche Gattung die ich beschreiben werde. Die „Man in Black“. Den Namen gaben ihnen nicht zwingen ihre Haare, sondern ihre Kleidung. Eine schwarze Hose, Hemd, Schuhe und Anzug tragend, wirken sie besonders im Rudel sehr interessant. Ich konnte bis heute nicht herausfinden von welchem Künstler, Gruppe, TV-Star dieses Outfit stammen könnte. Wer es weiß, bitte bescheid geben. Die Frisur der Man in Blacks, ist ein sehr einfacher aber gepflegter und mit Gel versehener Kurzhaarschnitt. Neben der gleichnamigen Hollywood Produktion, musste ich bei diesen jungen Männern auch immer an satanistische Staubsaugervertreter denken. Bitte fragen sie mich nicht warum…. Kombinationsmöglichkeiten Teil 2 und Abschlussbemerkung
Kombinationsmöglichkeiten Teil 2 und Abschlussbemerkung
Als letztes Attribut möchte ich noch, „wer zum Geier hat dich so angemalt“, behandeln.
Hierbei handelt es sich lediglich um Leute, denen man die Eieruhr im Sonnenstudio von 30 min. auf 10 Stunden gestellt hat. Wo man hierzulande als Sonnenstudio Junkie gebrandmarkt wird, und das Verlassen des Hauses meidet, laufen einige Japaner gerne so herum, und es scheint sogar eine „Moderichtung“ zu sein.

Abschließend noch mal kurz etwas über die Kombinationsmöglichkeiten. Wo Frauen in verschiedensten Modifizierungen auftreten können, man denke an ein braun gebranntes außerirdisches Zahnfeealien, ist es bei Männern anders. Es gibt, so denke ich , weniger männliche Feen wie weibliche. Den Grund dafür konnte ich mir nicht erklären. Wo also das Auftreten von männlichen Feen selten ist, gibt es in dem Lebensraum junger Japaner ebenfalls kaum, wenn nicht sogar, überhaupt keine Aliens.

Ich hoffe mein kleiner Exkurs in die japanische Frisurenlandschaft hat ihnen, meine lieben Leser, gefallen. Ich hoffe weiter, es ist nicht der Eindruck entstanden, dass ich mich über Japaner oder ihre Frisuren lustig machen will. Ganz im Gegenteil, mir sind die japanischen, overstylten Frisuren lieber als die deutschen Modefrisuren.
In welchem Bereich ich meine nächste Probebohrung machen werde, weiß ich noch nicht. Warten wirs mal ab…..

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Eine Antwort to “Probebohrung 1. Die Frisurenlandschaft junger Japaner”

  1. Kenta Says:

    Da gibt`s noch die Kenta-Typen in der Frisurenlandschaft!
    Das ist die mit der Glatze hinten, und die restlichen 20cm
    langen Haaren zu zwei (Lager- falsch !!) Kentafeld-Schwänzen
    gebunden, der Rest der Haarpracht wuchert in allen Richtungen.
    So wandeln sie dann nicht in Japan, sondern im Japan-Ferienland.
    Da wo sie die Käsesuppen essen und zur Klumpenbildung im
    Magen dazu Bier trinken…

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