Nobunaga in Fiction

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Muromachi Periode ~ Heisei Tenno, Nobunaga in Fiction

Nobunaga no tame – für den Willen von Nobunaga. Ob das dem Willen Nobunaga entsprochen hätte? Sein Name schmückt mittlerweile zahlreiche Filmtitel, dient zur Anregung verschiedenster moderner Bücher, ist aber auch zu finden in zahlreichen Manga und Anime. Zudem genießt er in der japanischen Videospiellandschaft ernorme Popularität. So führt er beispielsweise als Dämonenfürst in dem Action-Game Onimusha die aus der Unterwelt kommende Genma Armee an. Das Übel beginnt in der Schlacht von Okehazama. Während Nobunaga nach seinem Sieg über Imagawa Yoshimoto über dem Schlachtfeld thront, wird er von einem versprengten Samurai mit einem Pfeil im Hals getroffen und überlebt seine tödliche Verwundung nur mit Hilfe dämonischer Kräfte. In anderen Videospieltiteln, wie Kessen 3 oder Nobunaga`s Ambition Online, spielt man hingegen historische Schlachten unter der Leitung eines glanzvollen Helden Nobunagas, nach. Die Rollenzuteilung Odas könnte unterschiedlicher nicht sein, auch wennRolle als Dämonenfürst meist überwiegt. Drei japanische Haiku beschreiben die drei Einiger des Landes, Nobunaga, Hideyoshi und Tokugawa, folgendermaßen:

nakanunara nakashitemiyô hototogisu

nakanunara nakamadematô hototogisu

nakanunara korositeshimae hototogisu

Diese in Japan recht bekannte Haiku, bringen die Charakterzüge der verschiedenen Fürsten gut auf den Punkt. Die Frage stellt sich nun, ob es lediglich die in diesem Gedicht beschriebene Brutalität in Nobunagas Vorgehensweise war, die ihm zu einer derartigen Beliebtheit in unserer Zeit verholfen hat. Für die Klärung dieser Frage bedarf es einer Reise in die Vergangenheit, in der man verschiedene Aspekte des Leben des Dämonenfürsten genauer beleuchten kann.

Aspekt 1. Taktische Genialität eines Dämonen in Krieg und Politik

Nobunagas späteren Gegnern wäre es wohl sehr recht gewesen, hätte der Mann, der mit seiner Ausbildung beauftragt war – Hirate Kiyohide – versagt. In der Tat muss Nobunaga in seinen Kinder- und Jugendtagen ein sehr anstrengendes Kind gewesen sein. Seine Kleidung und Benehmen brachten ihm den Spitznamen `Hohlkopf` ein und führten schließlich dazu, dass sein Ausbilder aus erzieherischer Maßnahme Seppuku beging. Ein Lebenswandel Nobunagas machte sich fortan bemerkbar, und so wuchs er zu einem ehrgeizigen, kühnen und hitzköpfigen Mann heran. Diese Attribute zeigten sich, neben dem guten Krisenmanagement claninterner Streitigkeiten, deutlich in der Schlacht von Okehazama im Jahre 1560. Imagawa Yoshimoto, marschierte auf einem Eroberungsfeldzug mit einem über 20000 Mann starkem Heer geradewegs auf Kyoto zu, wobei das Gebiet Nobunagas auch auf seiner Strichliste stand. Angesichts einer Streitmacht von kaum 2000 Mann, wäre es in Nobunagas Lage vernünftig gewesen eine defensive Haltung, wenn nicht gar eine Kapitulation in Betracht zu ziehen, was ihm von seinen Berater auch nahegelegt worden war. Nobunaga aber entschied sich für die wohl irrationalste aller Lösungen. Den Angriff. Durch eine List und die Gunst der Götter die ihm schlechtes Wetter bescherten, gelang es ihm tatsächlich den Kampf schnell für sich zu entscheiden. Nachdem Imagawa rasch gefallen war, zerstreute sich dessen Streitmacht schnell – denn ohne General ist ein Heer führungslos und somit kampfunfähig. Dieser Sieg brachte Nobunaga große Anerkennung, Ruhm und Dankbarkeit, da er das Land von den Herrschaftsabsichten Imagawas befreit hatte.

Im Verlaufe seiner Laufbahn zeigte es sich ferner, dass Nobunaga ein gutes Gespür für die Auswahl seiner Verbündeten hatte -wie der Fall Tokugawa Ieyasu zeigt- und wen er als seine engsten Vertrauten und Generäle aussuchte. Der Kreis derer, die dieses Privileg genießen durften, war tatsächlich relativ klein, denn neben seinen Söhnen zählten lediglich 10 zum Kreis des Vertrauens – darunter auch Akechi Mitsuhide und Toyotomi Hideyoshi. Deren Dienste hatte er im Grunde seiner Politik der Talentförderung zu verdanken. Diese sah eine Revolutionierung der strikten sozialen Ordnung vor. Unter Nobunaga konnte jemand wie z.B. Hideyoshi, der in eine Bauernfamilie geboren wurde, und sich durch außerordentliche Leistung auszeichnete, aufsteigen bis zur Generalität.

Ein weiterer Punkt der von Nobunaga durchgesetzt wurde, war das Berufssoldatentum, das die Trennung von Soldaten und Bauern vorsah, was es ihm möglich machte, sein Heer jederzeit zu mobilisieren und es unabhängig von der Jahreszeit einzusetzen. In der Vergangenheit kehrten Soldaten in der Ackerbau- und Erntesaison nach Hause zurück um ihre Felder zu bestellen oder zu ernten.

Diese Politik stütze sich wiederum auf eine weitere politische Neuerung aus dem Jahr 1567– dem sog. rakuichi rakuza, der Handelsfreiheit. Privilegierte Gilden und Monopole wurden von Nobunaga abgeschafft, der freie Handel dagegen geschützt durch Steuerfreiheit und neue Zinsgesetze. Neben der Kontrolle der Prägung und Tausch von Münzen brachte er auch noch die Handelsstadt Sakai im Jahre 1569 unter seine Kontrolle. Seine Einnahmen benutze er um seine schlecht ausgerüstete Armee mit den Hightechwaffen dieser Zeit –Gewehren- auszustatten. Nachdem ihm die Waffenherstellstätte von Kunimoto in den Schoß gefallen war, stand der Modernisierung seines Unternehmens nun nichts mehr im Wege.

Ein weiterer gekonnter Schachzug war sein Umgang mit dem Shogun. Zuerst verhalf er Ashikaga Yoshiaki, (dem letzten Ashikaga Shogun) ins Amt, wodurch sein eigenes Streben (die Ausweitung seiner Macht) legitimiert wurde. Sein nächster Zug folge prompt darauf, wobei er durch verschiedene Schriftsätze Yoshiakis Macht stark einschränkte und ihn schließlich ganz entmachtete. Mit der Gegenwehr Yoshiakis hatte sich dieser selbst matt gesetzt, Nobunaga hatte jetzt einen Grund, und Yoshiaki musste das Schachbrett verlassen. Er wurde von Nobunaga ins Exil geschickt, was zugleich den Beginn der Azuchi-Moromachi-Zeit darstellt.

Aspekt 2. Unübertroffene Brutalität in zwei Richtungen

Von primus inter pares hielt Nobunaga nicht viel. Er war ein Bilderbuchbeispiel eines Solipsisten, der sich vor niemanden im ganzen Reich verneigte, ein eifersüchtiger Lord, der selbst die ultimative Basis von Treue in seinem tenka – Reich – darstellte. Dies zeigt sich sehr schön im Umgang mit seinen Untergebenen. Toyotomi Hideyoshi erhielt von ihm beispielsweise den Kosenamen saru, was nichts anderes heißt als Affe. Akechi Mitsuhide traf es sicher noch schlimmer, er wurde von Oda als Dichter verlacht. Im Jahre 1577 erhielt Akechi den Auftrag, das Schloss des Hatano Clans einzunehmen. Dies gelang ihm ohne ein Blutvergießen, nachdem sich der Schlossherr, Hatano Hideharu, nach einer Vereinbarung ergeben hatte. Aketchi brachte ihn zu Nobunaga, der Hideharu und dessen Bruder sofort töten ließ. Die Gefolgsleute von Hideharu waren außer sich und warfen Akechi Verrat vor. Daraufhin entführten sie dessen Mutter und Schwester und töteten sie. Trotz dieses Vorfalls und der dauerhaften Verspottung gibt es keinen Beweis dafür, dass Akechi vor 1582 Intrigen gegen Nobunaga hegte.

Diese moralischen Fehltritte sind jedoch nur minderschwere Beispiele im Vergleich zu diversen Feldzügen Nobunagas, die oft lang und grausam waren, genauso wie sein Ruf, den er sich im Laufe der Zeit erwarb. Im Jahre 1571 führte ihn ein Rachefeldzug auf den Hiei-san, auf dem sich die Tendai Sekte im Enryakuji befand. Da man dort Nobunagas Feinden in der Vergangenheit Unterschlupf und Unterstützung gewährte, wurde der gesamte Tempel abgebrannt. Wer das Flammenmeer überlebte, starb in dem darauf folgenden Gemetzel. Dabei wurden mehrere tausend Menschen brutal getötet. Ein ähnliches Schicksal traf die Anhänger der Ikkô Sekte 1574 auf der Burg Nagashima. In diesem Fall war die Zahl der Toten aber deutlich höher, die Vorgehensweise Nobunagas aber ähnlich. Bei diesem Massaker starben über 20000 Menschen, zum Entsetzen von Nobunagas Generälen machte man auch vor Frauen und Kindern nicht halt. Nobunaga schien in seiner Kategorie Feind keine Unterscheidungen bezüglich des Alters oder Geschlechts zu kennen.

Aspekt 3. Nobunaga und das Neue

Heutzutage wird oft fälschlicher Weise angenommen, dass Nobunaga sich von christlichen Missonaren hat bekehren lassen und dass Missionare deshalb so viel Zuwendung von ihm bekamen. Vermutlich bediente er sich der Fremden jedoch nur aus zwei Gründen. Erstens brachten sie sowohl neuartige Waffen als auch europäische Technologie mit sich, so wurde z.B. Azuchi die erste Burg Japans mit japanischer und europäischer Technologie. Als zweites erreichte er durch die Stärkung der Christen eine Schwächung der Buddhisten, die in seinen Augen seinem Weg zur Vereinigung Japans im Wege standen.

Der Hauptturm des Schlosses wurde Odas offizielle Residenz im Jahr 1579 und trug seinen Namen zur Azuchi-Momoyama-Periode bei, welcher passenderweise Zeitalter der Pracht genannt wird. Zudem fanden verschiedenste Künste unter Nobunaga ihre Blütezeit.

Rückkehr in die Gegenwart

Warum also erlebte Nobunaga eine derartige Wiedergeburt als Pop Icon in der jetzigen Zeit, und nicht einer seiner zwei Mitstreiter, Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu, die ebenfalls an der Einigung Japans beteiligt waren. Vielleicht bietet ein ausgezeichneter Menschenkenner und Meisterstratege wie Hideyoshi den Storyschreiben der heuten Zeit nicht die nötigen Attribute zur Kreierung eines modernen Helden bzw. Bösewichts. Inwiefern sein Äußeres dabei eine Rolle spielt, ist sicher auch fraglich, in diversen Titeln, so auch Onimusha, tritt er lediglich als nervender Handlanger Nobunagas auf, ohne eine wesentliche Rolle im Geschehen zu spielen. Nobunagas Leben bietet wohl mit seiner Blutrünstigkeit, strategischen Gewitztheit und Verbindung mit ausländischen Einflüssen bis hin zu seinem Tod am meisten Potential für eine erfolgreiche Vermarktung. Was er, der niemand über sich duldetet, wohl dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass er mittlerweile als Produkt aufgebaut und ausgeschlachtet wird, wie kein anderer seiner Zeitgenossen. In der Tat erfährt der moderne Mensch von heute, dessen Bücher ungelesen im Regal verstauben und der als Bildungsmittel sich Mangas, Animes oder Videospielen bedient, nichts von Nobunagas anderer Seite, seinem Interesse an alten japanischen Künsten wie der Teezeremonie oder der Dichtkunst. Und so kommt es, dass Nobunaga selbst im japanischen Kulturphänomen – Cosplay – bei beiden Geschlechtern sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

Hier noch Bilder die zum Thema passen:

oda_nobunaga1.jpg nobunagad1.jpg nobunaga-pop1.jpg

Bild 1. Oda wie man ihn als Actionfigur kaufen kann. Zufinden ist er in diesem Outfit in Onimusha 3

Bild 2. So ähnlich wird der Gute wohl in Wirklichkeit ausgesehen haben.

Bild 3. Cosplay Dame in Tokyo als Oda verkleidet. Interessant, Interessant….

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